Romina Herrera

Bildende Künstlerin 

 Works 


Meconium - Klanginstallation - 2023. Lebenschützendes Gefäß. Objekt aus Keramik, Ca.110 x 30 cm

Siebdruck auf Windeleinlage, 17 x 33 cm


 


Meconium - Klanginstallation - 2023 Unendlichkeit. Objekt / Malerei mit Sound
Zusammengenähte Einweg-Wickelunterlagen, schwarze Pigmente, Acryl und Öl. 270 x 270 cm


Unendlichkeit. Schwarz. Entstehung des Lebens.
Meconium, der erste Stuhl eines Neugeborenen, markiert den Übergang vom geschützten Raum des Mutterleibs in die Welt.
In der Arbeit verbindet sich dieses körperliche Material mit Wickelunterlagen, Pigment, Farbe und Klang. Geburt erscheint als Moment der Transformation, aber auch als Beginn von Abhängigkeit, Fürsorge und Verantwortung.
Die Arbeit fragt nach dem Unsichtbaren, das Leben trägt, und nach den körperlichen und emotionalen Spuren, die Care hinterlässt.





Klanginstallation „Gehäuse“, 2024.  Glasierte Keramik, Muttermilch, Klang. Maße variabel. Kunstverein Braunschweig 


Die Rauminstallation Gehäuse untersucht die Beziehung von Körperlichkeit, Fürsorge sowie die Stärke und Fragilität des eigenen Körpers als Ressource für andere Menschen. Sowohl die Form der Objekte als auch ihre Anzahl stehen in Zusammenhang mit der jeweils verfügbaren Zeit bzw. mit Erfahrungen von Zeitlichkeit und Zeitlosigkeit.
Die Rolle des Caregivers als lebensschützendes Subjekt spielt in meiner Arbeit eine zentrale Rolle. „Care“ ist ein gesamtgesellschaftlich relevantes Thema und nicht als individuelles Problem weniger zu verstehen.
Die Gehäuse aus glasierter Keramik werden mit einer Emulsion aus nicht getrunkener, abgepumpter Muttermilch eingerieben. Die Muttermilchreste wurden von einer befreundeten Ärztin gesammelt, die nach der Geburt ihres Kindes über einen längeren Zeitraum nicht arbeiten konnte, da ihr Säugling aus gesundheitlichen Gründen eine intensive medizinische Überwachung benötigte.
Die im Entstehungsprozess der Werke entstandenen Klänge werden über integrierte Lautsprecher wiedergegeben und eröffnen eine weitere Ebene: Hörbare Handlungen wie das Eincremen, das Streichen und Verteilen der Emulsion, die Berührung der Oberfläche sowie das Abpumpen der Milch unterstreichen die Dimensionen von Dauer, Werden und Verschwinden. (RH)



Alles Asche,  2021. Fotografie, 200 x 150 cm auf Bambuspapier

Alles Asche entstand im Kontext einer Sterbebegleitung und ist tief in einer Praxis der Fürsorge verankert. Die Arbeit geht von einer Erfahrung aus, in der Nähe, Berührung und Aufmerksamkeit zentral werden – dort, wo das Leben fragil wird und sich allmählich entzieht.
Die Fotografie versteht sich als Fortsetzung dieser Care-Arbeit mit anderen Mitteln. Sie verweilt bei dem, was oft unsichtbar bleibt: beim Aushalten, Begleiten und Dasein im Angesicht des Todes. In diesem Raum wird Asche nicht als Rest gedacht, sondern als ein Material, das alle Unterschiede aufhebt. Sie erscheint als radikal demokratisch – als gemeinsame Substanz aller Körper, jenseits von Status, Zuschreibungen und Biografien.
Aus dieser Perspektive verschiebt sich auch der Blick auf Trauer. Sie wird nicht als individueller Zustand isoliert, sondern als relationale Praxis verstanden – als etwas, das zwischen Menschen entsteht, getragen von Nähe und Verantwortung. Die Arbeit bewegt sich dabei an einer Schwelle: zwischen Sichtbarkeit und Verschwinden, zwischen dem Wunsch zu verstehen und dem Anerkennen des Unverfügbaren.
Zugleich öffnet sich eine kosmische Dimension. Die Asche erinnert an Sternenstaub und verweist auf die Zirkulation von Materie, in der Anfang und Ende untrennbar miteinander verbunden sind. In dieser Bewegung erscheint das Sterben nicht nur als Verlust, sondern auch als Transformation innerhalb eines größeren Zusammenhangs.
Alles Asche macht Care als ästhetische und ethische Praxis erfahrbar: als ein In-Beziehung-Sein, das über den Tod hinausweist und die grundlegende Verbundenheit aller Wesen berührt.



 

Fragilität. 2023. Objekt aus Keramik und Sound (integrierte Lautsprecher) , 70 x 25 cm

Ein Körper aus Ton – geformt durch Druck, Wiederholung und Zeit. Fragilität bewegt sich im Spannungsfeld von Verletzlichkeit und Überlastung, nicht als Schwäche, sondern als Quelle von Wahrnehmung und Gestaltung. Das Material trägt Spuren eines Prozesses, der zugleich zart und kraftvoll ist: kneten, formen, halten.
Die im Inneren verborgenen Lautsprecher lassen das Objekt von innen heraus klingen. Die während der Entstehung aufgenommenen Geräusche kehren in den Körper zurück und machen den Prozess hörbar. So entsteht ein Resonanzraum, in dem Care, Aufmerksamkeit und auch Erschöpfung als produktive Kräfte erfahrbar werden – als etwas, das formt, verbindet und neue Bedeutungen hervorbringt.


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Separation Device, 2018, Fotografie, 80 x 60

Die Arbeit zeigt eine Nabelschnurklammer als skulpturales Objekt und untersucht den Moment der Trennung als irreversiblen Kipppunkt. Der Schnitt der Nabelschnur markiert das Ende eines Zustands vollständiger Abhängigkeit und den Beginn einer eigenständigen Existenz.


Die Arbeit zeigt eine Nabelschnurklammer als skulpturales Objekt. Sie verweist auf die Trennung der Nabelschnur und damit auf den Übergang von körperlicher Verbundenheit zu eigenständiger Existenz.
Als materieller Marker bewahrt die Klammer die Spur dieses Übergangs. Sie steht für einen Moment, in dem sich Beziehung, Abhängigkeit und Autonomie neu ordnen.
Die Arbeit fragt danach, was von einem solchen Übergang bleibt und wie sich körperliche und biografische Spuren bewahren lassen.






Plastizität der Zeit, 2022. Installation, Keramik, Fotografie. Ausstellung "Passagen", Konsumverein Braunschweig

Ich forme jeden Tag eine Tonkugel und fühle die Zeit in meinen Händen. Jeden Tag eine andere Kugelform und ein anderes Zeitgefühl. Kohle, Erde, Wasser, Luft und Feuer vervollständigen die Form, währenddessen entsteht im Dunkel neues Leben.